MEDIZIN mit MENSCHLICHKEIT

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Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Unsere Klinik für Innere Medizin, Fachbereich Kardiologie und internistische Intensivmedizin verfügt über spezielle Expertisen auf dem Gebiet der Behandlung von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien). Rhythmusstörungen (Arrhythmien) gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Herzens. Die Rhythmologie – ein Teilgebiet der Kardiologie – befasst sich mit der Diagnostik und Therapie dieser Erkrankungen.

Arrhythmien sind Extraschläge (Extrasystolen) des Herzrhythmus. Auch kann die Herzfrequenz zu langsam (Bradykardie) oder zu schnell (Tachykardie) sein. Empfunden werden diese Arrhythmien oft als „Herzklopfen“.

Ein unregelmäßiger Herzschlag kann z. B. sein:

  • angeboren (z. B. Herzfehler, Herzklappenfehler)
  • erworben (Folge eines Herzinfarkts – Durchblutungsstörung – oder einer Entzündung am Herzen, z. B. des Herzmuskels, arterielle Hypertonie)
  • Ursache einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät, haben wir verschiedene Möglichkeiten, die elektrischen Leitungen am Herzen wieder in den Takt zu bringen und Beschwerden zu lindern. Dazu gehören z. B.

  • elektronische Taktgeber wie Herzschrittmacher und Defibrillatoren
  • elektrophysiologische Untersuchung (EPU) und Therapie (z. B. Ablationen)
  • Medikamente

Der Chefarzt der Klinik Dr. Jan Bernd Böckenförde verfügt über die Zusatzqualifikation „Spezielle Rhythmologie – Aktive Herzrhythmusimplantate“ der „Deutschen Gesellschaft für Kardiologie“ (DGK). Er ist von der Fachgesellschaft außerdem als Fortbildungsleiter für den Erwerb dieser Zusatzqualifikation anerkannt. Das St. Elisabeth-Krankenhaus selbst wurde als Fortbildungsstätte zertifiziert und darf angehende Mediziner hinsichtlich der Implantation von Schrittmachern und Defibrillatoren ausbilden.

Zusatzqualifikation

Spezielle Rhythmologie

Herzschrittmacher – die Taktgeber

Herzschrittmacher sind kleine, unter die Haut gelegte „Motoren“, die Ihren Herzschlag steuern können. Von diesem „Motor“ gehen Sonden durch vorhandene Venen in das Herz, über die die elektrischen Ströme geleitet werden.
Klassischerweise erhalten Patienten mit einem zu langsamen Herzschlag einen Herzschrittmacher. Zugrunde liegende Erkrankungen sind z. B.:

  • AV-Block
  • Sick-Sinus-Syndrom
  • Schenkelblock
  • Bradyarrhythmie

Immer ist die (angeborene) Erregungsleitung am Herzen gestört.

Um Rhythmusstörungen zu behandeln, haben wir verschiedene Formen von Schrittmachern. Abhängig von der Art Ihrer unregelmäßigen Herzfrequenz, erhalten Sie z. B.

  • Einkammerschrittmacher: Eine einzelne Sonde führt in die rechte Vor- oder Hauptkammer.
  • Zweikammerschrittmacher: Je eine Sonde geht je in die rechte Vorkammer und in die Hauptkammer.
  • Dreikammerschrittmacher (CRT): Wie ein Zweikammerschrittmacher, es geht aber eine dritte Elektrode zusätzlich über eine Herzvene in die linke Herzkammer zur Stimulation des linken Ventrikels (bei der Therapie der Herzinsuffizienz).

Wir können gleichwohl auch zu schnelle Herzschläge erfolgreich mit einem Defibrillator behandeln.

Herzschwäche (durch Arrhythmien bedingt) behandeln

Viele Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz (Herzschwäche) haben auch Herzrhythmusstörungen. Das ist eine bestimmte Form von Herzrasen (ventrikuläre Tachykardie), die in einigen Fällen in das lebensgefährliche Kammerflimmern übergehen kann. Diese Patienten profitieren von einem Defibrillator (Einkammer-/Zweikammer-/Dreikammerdefibrillator).

Wie funktioniert die CRT-D-Therapie?
Ein CRT-D-Gerät kombiniert zweierlei:

  • die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) bei Herzschwäche
  • ein Elektroschockgerät, dem sogenannten implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) – gegen tödlich verlaufende Herzrhythmusstörungen

Beide Therapien ergänzen sich:

  • Das CRT-Gerät synchronisiert und verbessert dadurch die Arbeit der beiden Herzkammern.
  • Das Elektroschockgerät kontrolliert den Herzrhythmus und reagiert sofort, wenn gefährliche Rhythmusstörungen auftreten.

Das kann in vielen Fällen einen plötzlichen Herztod verhindern.

Wem hilft das System?
Ein Patient mit Herzinsuffizienz muss bestimmte Kriterien erfüllen, um für die Implantation eines CRT-D-(P)-Geräts infrage zu kommen. Sollte diese Therapie für Sie infrage kommen, werden wir mit Ihnen darüber sprechen.

Lebensrettende Jacke: Externer Defibrillator (ICD) – die „LifeVest®“
Sind Rhythmusstörungen da, aber die Ursache ist (noch) unklar, oder sind – z. B. bei einer akuten Entzündung am Herzen oder einem Herzinfarkt – die unregelmäßigen Schläge ggf. nur vorübergehend vorhanden, können Betroffene den Defibrillator als Weste tragen – für einen bestimmten Zeitraum. Danach wird erneut entschieden, ob ein permanenter Defibrillator eingesetzt werden muss.

Herzrhythmusstörungen beseitigen: Elektrophysiologische Untersuchung (EPU/Ablation)

Diese Therapie kann einen zu schnellen Herzschlag normalisieren. Während dieses Eingriffs veröden die Kardiologen (mit Strom oder Kälte) Muskelzellen am Herzen, die die schnelle Schlagfolge verursachen.

Eine EPU findet immer in einem speziellen Herzkatheterlabor statt. Um mit dem Katheter bis in das Herz zu gelangen, punktieren die Ärzte eine große Vene in der Leiste. Die Patienten erhalten eine lokale Betäubung, auf Wunsch bekommen sie etwas zur Beruhigung.

Heilung bringt eine Ablation z. B. bei diesen Rhythmusstörungen:

  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom): Die elektrischen Ströme am Herzen gelangen über einen kurzen "Umweg" auf die Kammern und kommen deshalb in zu schneller Abfolge dort an.
  • AV-Knoten Reentrytachykardie: Diese Störung kommt recht häufig vor. Ein zentraler Taktgeber im Herzen (AV-Knoten) funktioniert nicht ganz planmäßig. Im Ergebnis wird auch bei dieser Rhythmusstörung der Herzschlag zu schnell. Die Erfolge der Ablation (z. B. als AV-Knoten-Modulation) bei einer AV-Knoten Reentrytachykardie sind sehr gut.
  • AV-Knotenablation: Diese Therapie verödet den AV-Knoten, wodurch dann ein Schrittmacher die Herzfrequenz steuert. Der AV-Knoten ist das Erregungszentrum im Herzen, das die Schläge von den Herzvorhöfen auf die Kammern überträgt. Bei manchen tachykarden (schnellen) Herzrhythmusstörungen kann der Knoten die Frequenz nicht mehr gut genug steuern und der Herzschlag wird insgesamt zu schnell.
  • Ventrikuläre Extrasystolie: Das sind Extraschläge des Herzens, die meist harmlos sind. Kommen Sie aber häufig vor, kann das die Pumpleistung des Herzens einschränken. Während einer EPU suchen die Kardiologen die Quelle für die Extraschläge und veröden sie.
  • Ventrikuläre Tachykardie: Diese Rhythmusstörung ist gefährlich, denn sie kann einen plötzlichen Herztod bedingen. Viele dieser Patienten tragen einen Defibrillator. In einigen Fällen können Kardiologen die Quelle für die Störung finden und sie veröden.

Vorhofflimmern – Medikamente oder Ablation?

Bei Vorhofflimmern (die Vorhöfe des Herzens bewegen sich rasend schnell) können Medikamente oder eine Therapie bei einer Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) helfen. Die Patienten erhalten zunächst blutverdünnende Medikamente, um einem Schlaganfall vorzubeugen.

Während dieser EPU (PVI, Pulmonlavenen-Isolation) setzen die Untersucher Verödungen (Narben) an die Stellen, die das Vorhofflimmern mit auslösen. Das Ziel ist, den Herzschlag zu normalisieren. Mittlerweile weiß man auch, dass die Lungenvenen an der Entstehung eines Vorhofflimmerns beteiligt sind. Diese Stellen suchen die Untersucher während einer PVI auf und behandeln sie.

Medikamentöse Einstellung bei Herzrhythmusstörungen

Die Kardiologie besitzt viele verschiedene Medikamente, um Herzrhythmusstörungen einzustellen. Gleichwohl braucht es meist ein bisschen Geduld, bis die optimale Therapie feststeht.

Denn: Erfahrungsgemäß reagiert jeder Patient individuell auf die verschiedenen Substanzen. Deshalb muss man manchmal verschiedene Strategien ausprobieren, bis die Situation für alle Beteiligten gut ist.
Nachteile von Rhythmusmedikamenten: Viele dieser Substanzen können Rhythmusstörungen auch manchmal verstärken. Von daher werden wir Sie sorgsam – vor allem in der ersten Zeit der Einnahme – überwachen und die Therapie kontrollieren. Das erfordert häufig einen stationären Aufenthalt.