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Die Magie der Unfall-Chirurgie - WAZ-Interview mit Dr. Carsten Albaum

09.06.2010 - St. Elisabeth-Krankenhaus Dorsten

Autor: Martin Ahlers in der WAZ vom 9. Juni 2010


Elektronische Zeugen eines langen Berufslebens: Dr. Carsten Albaum hat Herzschrittmacher gesammelt.

Nach fast drei Jahrzehnten verabschiedet sich der Chirurg heute vom St. Elisabeth-Krankenhaus

Dorsten. Ungezählt sind die Dorstener, die Dr. Carsten Albaum unter dem Messer hatte. Nach 29 Jahren am St. Elisabeth-Krankenhaus, davon
viele als stellvertretender Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, legt der Chirurg nun das Skalpell aus der Hand. Im Konferenzraum des Hospitals nimmt er heute ab 11 Uhr Abschied von Kollegen, Mitarbeitern und Weggefährten. Zuvor sprach er mit der WAZ über ein Berufsleben zwischen weißen und grünen Kitteln.


Sie sind 66 Jahre alt. Ein Abschied mit Verspätung?

Albaum: Ja, ich habe ein wenig angehängt weil es einen Engpass gab, nach dem Abschied von Dr. Hermann-Josef Liesenklas. So habe ich die Unfallchirurgie weitergeführt, bis Dr. Dirk Schulze-Bertelsbeck als neuer Chef anfing und ihn dann noch eine Zeit als Oberarzt unterstützt.

Klingt nicht, als sei Ihnen das schwergefallen?

Nein, ich habe immer sehr gern gearbeitet. Nach so vielen Jahren ist das ein Abschied mit sehr zwiespältigen Gefühlen.

 

Begonnen haben Sie nochim alten Haus . . .

Ich kam 1981 aus Bonn, habe dann die Planung, den Bau ab 1985 und den Umzug in den Neubau 1989 mitgemacht. Ein einschneidendes Erlebnis, das man meistens nur einmal im Berufsleben hat. Heute sind aus der Zeit nur noch wenige Kollegen im Haus.

 

Warum wurden Sie Arzt?

Familiäre Vorbilder gab’s nicht, auch ein Helfersyndrom war nicht sehr ausgeprägt. Mir ging’s wie vielen: Ich wollte Pauker werden, weil ich das Berufsbild aus der Schule kannte. Durch Medizinsstudenten bin ich aufmerksam geworden. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich da gut aufgehoben bin. Die Arbeit am Patienten habe ich sehr schätzen gelernt.

Ob man sich eignet, muss das Studium zeigen?

Man springt ins kalte Wasser. Und man muss sich auch fragen: Komme ich auch mit ekligen Dingen klar? Ob ein Numerus Clausus das einzig
geeignete Mittel der Auswahl ist, bezweifle ich. Das gilt besonders für die Chirurgie. Das Fach muss man schon von Grund auf beherrschen, um über die Runden zu kommen. Ich habe Kollegen erlebt, die dafür nicht geeignet waren. Denen muss man das dann auch sagen.

 

Was begeistert Sie an der Unfallchirurgie?
Man sieht sehr schnell den Erfolg der Behandlung. Ich fühlte mich magisch hingezogen dazu. Zwei Jahre habe ich in der Gynäkologie gearbeitet, bin dann aber zurückgekehrt. Ich bin handwerklich ziemlich fit, habe als Student meine Autos selbst repariert. Das hilft. In der Medizin sortieren sich mit der Zeit die Charaktere.


Ist die Disziplin eine Männerdomäne?
Nicht mehr, es gibt auch sehr gute Unfall-Chirurginnen. Aber dass es mehr Männer gibt, hat einen Grund: Diese Arbeit erfordert manchmal
auch hohe Körperkräfte. Das muss man auch leisten können.

 

Sie haben viele Herzschrittmacher gesammelt. Wie kommt’s?
Damit habe ich als Assistenzarzt in Bonn begonnen, weil ich oft die Operation gemacht habe. Einige Patienten wollten die Geräte nach einem Austausch nicht behalten. Es waren mal 25, einige sind verlorengegangen nach einer Ausstellung hier im Haus. Vor einigen Jahren habe ich aufgehört – heute ist das Domäne der Kardiologen.


Was operieren Sie besonders gern und sehr ungern?

Hüftgelenk-Endoprothesen, das hat mir immer viel Spaß gemacht. Da hat sich viel verändert bis hin zu den modularen Systemen, mit denen heute gearbeitet wird. Und es ist weiter viel im Fluss. Ein Horror sind Amputationen, es sind destruktive Operationen. Doch hier muss sehr sorgfältig gearbeitet werden, damit die Patienten später keine Probleme bekommen.

 

Und was kommt jetzt?
Ich muss mich neu orientieren. Ich male, spiele gern Klavier, man wird sehen. Aber Dorsten werden meine Frau und ich erhalten bleiben. Vorerst auf jeden Fall.

 

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Zur Biografie:
Ein Brandenburger aus dem Rheinland

Dr. Carsten Albaum (66) kam in Brandenburg zur Welt und ist in Bonn aufgewachsen. Nach dem Studium in der damaligen Hauptstadt folgte er 1973 seinem Doktorvater Prof. Ricken ans St. Josef-Hospital nach Bochum, kehrte 1976 nach Bonn zurück, wo er seine Facharztausbildung am Malteser-Krankenhaus absolvierte. Nach Dorsten kam er 1981, wurde zwei Jahre später erster Oberarzt. Lange engagierte sich Albaum als stellv. Vorsitzender der Mitarbeitervertretung.


© 2013  Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH  •  Stand: 14.12.2009 - 14:44