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Ein Leben mit Einschränkungen
15.02.2006 - St. Elisabeth-Krankenhaus DorstenWAZ vom 15.02.2006
Bei der Sauerstoff-Langzeit-Therapie ist die Nasenbrille ein ständiger Begleiter. Leopold Sures trägt sie (fast) den ganzen Tag über.
Er leidet an einer Lungenkrankheit. Mit anderen Betroffenen gründete der Dorstener jetzt eine Selbsthilfegruppe
Dorsten. 60 bis 80 Zigaretten rauchte Leopold Sures pro Tag. Der 64-Jährige weiß nur zu gut, dass sie der Grund für seine chronische Lungenkrankheit sind. Über einen Schlauch wird er mit O2 versorgt. Eine Maßnahme, die das Leben verlängert und den Rentner belastbarer macht.
Sauerstoff-Langzeit-Therapie nennt sich diese Behandlung. Gemeinsam mit anderen Patienten in Dorsten und dem nördlichen Ruhrgebiet rief Sures jetzt eine Selbsthilfegruppe unter diesem Begriff ins Leben. Unterstützt wird die Untergruppe einer bundesweiten Organisation durch die Lungenfachärzte Dr. Norbert Holtbecker und Dr. Hermann Thomas vom St.-Elisabeth-Krankenhaus.
Die Experten wissen um die Erfolge der Therapie - besonders bei der chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung (kurz COPD), unter der Sures leidet und deren Ursache zu einem hohen Prozentsatz das Rauchen ist. "Aber auch andere Erkrankungen mit Sauerstoffmangel können so behandelt werden", sagt Dr. Thomas. Vorausgesetzt, die Bedingungen beim Patienten stimmen. Und das wird vorab durch eine Reihe von Untersuchungen geklärt.
Bei Sures sprachen alle Werte für eine Sauerstoff-Langzeit-Therapie. Die Nasenbrille, so heißt der dünne Schlauch durch den bei Bewegung bis zu drei Liter Sauerstoff pro Minute fließen, ist sein ständiger Begleiter geworden. Auch nach Jahren findet der Dorstener das Tragen "unwahrscheinlich gewöhnungsbedürftig". Sures Blick wandert auf die lederne Tasche auf dem Tisch vor ihm und betroffen sagt er: "Aber ohne bereitet das Tragen der kleinsten Aktentasche mir Probleme."
Dr. Thomas dazu: "Grundvoraussetzung für den Therapieverlauf ist die gute Patientenmitarbeit. Nur wer die Sauerstoffgabe über 16 bis 24 Stunden pro Tag durchführt, hat einen Vorteil." Sures weiß das. Er hat Sauerstoffbehälter im Auto, im Tragebeutel um den Bauch und daheim.
Trotzdem: "In Dorsten kennt mich so keiner", sagt er und deutet auf den Schlauch. In der Öffentlichkeit verzichtet er meist auf das Tragen. "Ich möchte mich nicht immer erklären", begründet er.
Eine Sauerstoff-Langzeit-Therapie bedeutet viele Einschränkungen im Leben. Ständige Kontrollen stehen auf dem Wochenplan. Immer wieder tauchen neue Fragen auf - finanzieller Art, im Umgang mit den Krankenkassen, den Sauerstofflieferanten. Sures: "Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns in der Gruppe gegenseitig unterstützen und Erfahrungen austauschen."
Er selbst hat sein ganzes Leben umgestellt, seit er das Krankenhaus mit der Diagnose COPD verließ. "Von Stund an habe ich aufgehört zu rauchen." Sures informierte sich über die Krankheit, die schleichend kommt: Sie beginnt mit dem so genannten Raucherhusten, die körperliche Belastbarkeit nimmt ab. Dr. Thomas: "Viele schieben das auf das Wetter oder Alter." In Wirklichkeit, so der Arzt, verengen sich die Atemwege.
Die Sauerstoff-Langzeit-Therapie kann helfen. Doch sie birgt auch Gefahren. "Deshalb raten einige wissenschaftliche Gesellschaften auch davon ab", hatte Dr. Thomas beim ersten Treffen der Selbsthilfegruppe in der vergangenen Woche gesagt. Er und sein Kollege Dr. Holtbecker allerdings sehen die Behandlung "bei Beachtung der Voraussetzungen und bei richtiger Anwendung als effektive Therapiemethode."
Leopold Sures ist froh, gegen den Rat seines Hausarztes den Schritt zur Sauerstoff-Langzeit-Therapie gemacht zu haben. Er lebt von Tag zu Tag. "Beim ersten Atemzug ohne Nasenbrille nach dem Aufstehen, weiß ich, ob es ein guter oder schlechter wird.""Ich möchte mich nicht immer erklären."
WAZ - 14.02.2006, von Nina Jebbink

