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Knochenentzündung ist geheilt
14.01.2004 - Gertrudis-Hospital WesterholtAfghanische Jungen kehren in ihre Heimat zurück
Westerholt. Flink klettert Zilgai die Sprossenwand im Gertrudis-Hospital hoch. Kaum glaublich, dass sich noch vor wenigen Monaten die Ärzte im Westerholter Krankenhaus nicht sicher waren, ob sie den linken, gebrauchsunfähigen Oberschenkel des 10-jähringen afghanischen Jungen überhaupt werden retten können. Nicht besser sah es anfangs bei dem 14-jähringen Eisa aus. Sein rechter Oberarm hatte sich so schwer entzündet, dass auch ihm eine Amputation drohte. Heute ist sein Arm wieder voll funktionstüchtig, selbst den großen Medizinball kann er mühelos halten und werfen.
»Beide Jungen litten unter einer schlimmen Knochenentzündung, die wahrscheinlich auf eine Mangelernährung zurückzuführen ist«, erzählt Dr. Elisabeth Winkelmann, Chefärztin der chirurgischen Abteilung. »Wir haben die zwei jungen Patienten jeweils drei Mal operiert, um die Entzündungen in den Griff zu bekommen. Erschwerend kam hinzu, dass die Jungen in Afghanistan offensichtlich so oft mit Antibiotika behandelt worden sind, dass sie inzwischen dagegenresistent waren. Deshalb mussten wir zunächst herausfinden, auf welche Antibiotika die Jungen ansprechen.«
Die lange Leidenszeit – seit April des vergangenen Jahres werden die Jungen behandelt – haben die beiden erstaunlich gut weggesteckt. Das ist auch ein Verdienst der beiden Gastfamilien aus Gladbeck und Westerholt. Sie haben die beiden Afghanen von Anfang an begleitet und nach dem Krankenhausaufenthalt bei sich aufgenommen. »Es gab überhaupt keine Probleme«, sagen die beiden Gastmütter Nicola Henkel aus Gladbeck und Anne Bugzel aus Westerholt übereinstimmend. Beide hatten aus der Zeitung erfahren, dass Gasteltern gesucht werden und sich spontan bereit erklärt, die Kinder aufzunehmen. Umso schwerer fällt es ihnen, sich in Kürze von ihren Schützlingen zu trennen. »Es würde mir leichter fallen, wenn Zilgai in ein friedliches Land und stabiles zurückkehren könnte, in dem auch eine weitere medizinische Begleitung gesichert wäre«, sagt Nicola Henkel. Für Anne Bugzel steht fest, dass sie auch in Zukunft ihren Pflegesohn unterstützen will. »Auch die Kommunionkinder aus unserer Westerholter Gemeinde haben schon Spenden für Eisa gesammelt. Damit möchten wir ihm in Afghanistan einen Schulbesuch ermöglichen.« Dass die beiden äußerst wissbegierig sind, stellen sie zur Zeit unter Beweis: Beide Jungen besuchen eine Schule, der ältere Eisa übrigens zum ersten Mal in seinem Leben. Und beide konnten es kaum erwarten, nach den Weihnachtsferien wieder die Schulbank zu drücken. Dass der Kontakt zu den deutschen Gastfamilien aufrecht erhalten bleibt, ist auch ein Anliegen von Markus Dewender. Er ist Vorsitzender des Vereins »Kinder brauchen uns«, der schwer kranken und verletzten afghanischen Kindern eine medizinische Betreuung in Deutschland ermöglicht. »Ohne Krankenhäuser wie das Gertrudis-Hospital, die die Kinder kostenlos medizinisch behandeln, wäre unsere Hilfsaktion nicht möglich«, stellt er fest. Eisa und Zilga werden in wenigen Wochen in ihre Heimat zurückfliegen. Beide freuen sich, endlich ihre Familien wiedersehen zu können. Beide wissen aber auch, dass ihre Zukunft nicht einfachwird.
