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Gertrudis-Hospital - Tagesklinik: Für Selbstständigkeit im Alter

11.08.2017 - Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord, Gertrudis-Hospital Westerholt

Autor: Daniel Maiß


Gertrudis-Hospital: Tagesklinik wurde ein halbes Jahr lang umgebaut. Zehn Patienten können jetzt gleichzeitig betreut werden. Kinoabend ist beliebt

Herten. Jeden Donnerstag ist im Gertrudis-Hospital Filmabend. Allerdings ist der Kinosaal eher gemütlich. Dort, im neuen Wohnraum der Tagesklinik, sieht es aus wie in einem Wohnzimmer. Eine Couch wird flankiert von Sesseln, in der Ecke gibt es ein kleines Regal, auf dem Sideboard thront der Fernseher. Früher war hier einer von zwei Ruheräumen. "Die Lebensgewohnheiten unserer Patienten haben sich geändert, daher haben auch wir mit unserem Umbau einiges geändert", erklärt Elke Bauer, Leiterin der Tagesklinik.

Teilstationär
Diese gibt es im Gertrudis-Hospital seit 1992, sie ist die einzige in Herten. Zehn Patienten können hier gleichzeitig betreut werden. Teilstationär nennt der Mediziner den in der Regel dreiwöchigen Aufenthalt. Das heißt: Die Tagesklinik ist gedacht für Patienten, denen eine kurzfristige ambulante Behandlung nicht hilft, die aber noch so fit und eigenständig sind, dass sie abends und am Wochenende nach Hause können. "Viele sind anfangs skeptisch", erklärt Elke Bauer, "am Ende wollen fast alle länger bleiben." So ging es auch Charlotte Nischik. Für die 75-Jährige ist es bereits der zweite Aufenthalt in der Tagesklinik. Sie hat Diabetes und immer wieder Probleme mit dem Gleichgewicht. "Ich bin letztens schon wieder im Bus gestützt", berichtet die Hertenerin. Als sie im Oktober 2016 zum ersten Mal drei Wochen in der Tagesklinik verbrachte, wusste sie nicht, was sie erwartet. Am Ende war sie rundum glücklich. "Mir geht es besser, ich fühle mich schon viel sicherer auf den Beinen." Dennoch war ein zweiter Aufenthalt nötig. Übungen an der Sprossenwand, Massagen, Krankengymnastik - all das gehört bei ihr nun zum Tagesprogramm.

Körper und Seele
Genauso wie das Gedächtnistraining mit Schwester Katharina Conradi. Sie leitet die Ergotherapie und ist ausgebildete Gedächtnistrainerin. Mit vielen unterschiedlichen Übungen trainiert sie jeden Tag 45 Minuten lang das Gehirn - aber nicht nur. "Auch den Körper und die Seele", erklärt die Ordensschwester. "Wer nämlich Schmerzen hat, der kann sich nicht konzentrieren. "Anfangs wusste ich überhaupt nicht, was das ist. Jetzt freue ich mich jedes Mal drauf", so Charlotte Nischik. Für das Gedächtnistraining wird ebenfalls der neue Wohnraum benutzt - in einer Ecke steht ein großer Tisch. Es ist aber nicht die einzige Neuerung in der Tagesklinik. Der Umbau dauerte ein halbes Jahr. Im Schwesternzimmer gibt es nun moderne EDV Technik, die Küche wurde neu eingerichtet. Hier findet jede Woche ein Kochtag statt. Elke Bauer ist wichtig, dass sich die Patienten auch miteinander beschäftigen. "Viele Ältere leben allein, hier können sie sich mit anderen austauschen. Es sind sogar Freundschaften entstanden." Die Tagesklinik gehört zur Geriatrie (Altersmedizin) des Hauses. Chefärztin ist Dr. Anette Borchert. Sie erklärt: "Wir wollen, dass unsere Patienten selbstständig bleiben und die Pflegebedürftigkeit abwenden, so lange es eben geht." Mit dem Umbau habe man sich der Realität angepasst. Borchert: "Eine 90-Jährige lebt heute anders als noch vor 20 Jahren. Die wollen nicht mehr liegen, die wollen was tun." Das Konzept kommt an, der Wohnraum ist sehr beliebt. Vor allem wegen der Kinoabende. "Filme mit Heinz Rühmann oder Heinz Erhardt sind gefragt", sagt Elke Bauer. Als Letztes lief aber Molle mit Korn, eine Miniserie der ARD, die in der Nachkriegszeit spielt. Bauer: "Da kamen Erinnerungen hoch, die Patienten haben sich noch lange unterhalten."


© 2017  Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH  •  Stand: 14.12.2009 - 14:44