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Gertrudis-Hospital - Zarte Klänge, die berühren und entspannen

08.03.2017 - Gertrudis-Hospital Westerholt, Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord

Autor: Hertener Allgemeine vom 10-03-2017


Chefärztin Dr. Anette Borchert freut sich über die neue Anschaffung. Viel Spaß beim Musizieren mit der Vee-Harfe haben Ergotherapeutin Sr. Katharina Conradi und Patientin Annemie Lucas

 

Zarte Klänge, die berühren und entspannen

 

Gertrudis-Hospital: Veeh-Harfe dient therapeutischen Zwecken / Förderverein der Palliativstation machte Anschaffung möglich

 

Leise Harfentöne kommen aus einem Zimmer auf der Palliativstation. Und wer die Tür öffnet, ist zunächst einmal überrascht: Nicht ein professioneller Musiker spielt das Instrument, sondern eine Patientin – und das, obwohl sie, wie sie sagt, „vollkommen unmusikalisch“ sei. Das Zupfinstrument, dem Annemie Lucas zarte Klänge entlockt, nennt sich Veeh-Harfe und kann ohne musikalische Vorkenntnisse innerhalb kürzester Zeit gespielt werden. Die Veeh-Harfe erinnert in Form und Größe an eine Zither. Wie die Saiten für die Melodie gezupft werden müssen, wird durch Unterlegnoten vorgegeben. Die Veeh-Harfe wurde im Jahre 1992 von Hermann Veeh entwickelt, einem Landwirt aus Bayern. Er wollte es seinem mit einem Down-Syndrom geborenen Sohn ermöglichen, auch ohne Notenkenntnisse das Spielen eines Instruments zu erlernen.

 

Die Idee, eine Veeh-Harfe zu therapeutischen Zwecken einzusetzen, hatten Dr. Anette Borchert, Leiterin der Geriatrie und der Palliativstation, und Sr. Katharina Conradi, Leiterin der Ergotherapie. Sie lernten das Instrument bei einem Konzert kennen, das zugunsten der Palliativstation im Gertrudis-Hospital veranstaltet wurde. Dass man die Veeh-Harfe gut für musiktherapeutische Zwecke einsetzen kann, davon waren die beiden sofort überzeugt. Der „Förderkreis der Palliativmedizin am Gertrudis-Hospital Herten-Westerholt e.V.“ machte dann die Anschaffung des Instruments möglich.

 

Die Veeh-Harfe kommt aber nicht nur den Patienten auf der Palliativstation zugute. Sie wird auch eingesetzt in der Arbeit mit Menschen, die motorische oder kognitive Defizite haben – etwa aufgrund eines Schlaganfalls oder einer dementiellen Erkrankung. „Denn das Spiel schult die Feinmotorik, die Konzentration und die visuelle Wahrnehmung beim Erfassen der Notenfolge. Und nicht zuletzt stärkt das Musizieren auch das Selbstvertrauen“, fasst Sr. Katharina zusammen. In den Gruppenstunden nutzen es die Therapeuten ebenfalls, um zum Beispiel bekannte Lieder anzuspielen. Das regt die Wahrnehmung an und schult das Altgedächtnis, denn viele Patienten erkennen die Melodien, singen und summen mit. Besonders gut kann man Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, mit Musik erreichen, denn auch sie erinnern sich häufig an die Melodien und Texte, die sie früher gelernt haben.

 

Zurück zu Annemie Lucas. Ihr bereitet das Musizieren sichtlich Freude. Zusammen mit Sr. Katharina, die die Begleitmelodie übernimmt, spielt sie das Lied „Im Märzen der Bauer“. „Das kann ich schon ziemlich gut“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Und für einen Moment sind Krankheit und Schmerz vergessen.


© 2017  Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH  •  Stand: 14.12.2009 - 14:44