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Lebensqualität erhalten
17.03.2007 - Gertrudis-Hospital WesterholtGertrudis-Hospital Westerholt eröffnet Palliativstation
Das Gertrudis-Hospital Westerholt hat eine eigene Palliativstation eröffnet. Im zweiten Obergeschoss des Hauses stehen für die Behandlung schwer kranker Menschen zwei Doppelzimmer sowie ein Einzelzimmer zur Verfügung. »Trotz modernster Medizin können wir nicht alle Krankheiten heilen. Patienten, die wir hier aufnehmen, leiden an einer unheilbaren Krankheit, die bereits weit fortgeschritten ist und weiter fortschreitet. Diese Menschen brauchen intensive Zuwendung, Begleitung und Behandlung, denn sie haben nur noch eine begrenzte Lebenserwartung«, erläutert Oberärztin Dr. Anette Borchert. Die Internistin, Geriaterin und Palliativmedizinerin leitet die neue Station im Gertrudis-Hospital. Ihr zur Seite steht ein Team aus unterschiedlichen Berufsgruppen: Mediziner, speziell geschulte Pflegekräfte, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen, Seelsorger und Sozialarbeiter arbeiten Hand in Hand bei dieser anspruchsvollen Aufgabe zusammen.
Am Anfang steht eine genaue Krankheitsanalyse: Unter welchen Symptomen leiden die Patienten? Das können zum Beispiel starke Schmerzen, Luftnot, beständiges Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall, eine chronische Verstopfung oder nicht heilende Wunden sein. »Unser Ziel besteht darin, die Symptome der Patienten so in den Griff zu bekommen und zu lindern, dass die Lebensqualität wieder verbessert wird und die Würde des Menschen erhalten bleibt. Die Behandlungsziele legen wir im Einvernehmen mit den Patienten fest«, so Borchert.
Für die Linderung der Beschwerden zu sorgen, ist aber nur ein Teil im Behandlungskonzept. Der andere ist, die psychosozialen Aspekte der Krankheit zu berücksichtigen und auch auf die spirituellen Wünsche der Patienten einzugehen. Denn unheilbar kranke Menschen haben Ängste und Fragen, die um Leid und Trauer, Tod und Sterben kreisen. Die Mitarbeiter des Teams müssen bereit sein, Patienten und ihre Angehörigen dabei zu begleiten. Damit dies gelingen kann, verfügen alle Teammitglieder über viel Erfahrung und Sensibilität in der Betreuung schwer kranker Menschen.
Die neue Station ist hell und freundlich eingerichtet: Statt in sterilem Krankenhausweiß sind die Zimmer in warmen Farbtönen gehalten. Auch ein Tagesraum und eine kleine Küche gehören zur Ausstattung, damit sich Patienten und vor allem Angehörige selbst versorgen können. »Das Besondere an dieser Einheit ist, dass es keinen strengen Tagesablauf gibt. Wir orientieren uns hier nur an den Bedürfnissen und Wünschen der Patienten«, erklärt Pflegedirektorin Sr. Bernadette Korte. »Dazu gehört selbstverständlich auch, dass die Angehörigen der Patienten während des Krankenhausaufenthaltes im Gertrudis-Hospital mitleben können«, ergänzt Dr. Karl Ott, Ärztlicher Direktor.
Der Blick des Westerholter Teams geht aber über das eigene Krankenhaus hinaus. Um Palliativpatienten sowohl ambulant als auch stationär lückenlos zu betreuen, ist der Aufbau eines Netzwerkes von Krankenhausärzten, niedergelassenen Medizinern, Pflegediensten und ambulanten Hospizdiensten wichtig. Denn es kommt immer wieder vor, dass Palliativ-Patienten, die zu Hause betreut werden, kurzfristig einen stationären Aufenthalt benötigen. Zum Beispiel bei Komplikationen oder weil bestimmte Untersuchungen erforderlich sind. »Ich bin sehr froh, dass wir schon heute über einige sehr enge Beziehungen verfügen«, freut sich Anette Borchert. So trifft sich beispielsweise der »Arbeitskreis Palliativmedizin« regelmäßig, dem neben dem Gertrudis-Hospital auch der Caritasverband Herten e.V. und das »Ambulante Hospiz Caritasverband Herten e.V.« angehören. Kontakte gibt es außerdem mit dem Hertener Netz e.V., Onkologen und Strahlentherapeuten, vielen Pflegediensten der Region, z.B. Martinus Ambulante Dienste, und ambulanten Hospizdiensten. Anette Borchert: »Auch wenn wir unsere Patienten nicht mehr heilen können, so ist doch unsere ärztliche Kunst nicht am Ende. Sie wird nur eine andere. Es liegt in unseren Händen, die Schmerzen zu lindern, die Symptome zu kontrollieren und Ängste zu nehmen. Und oft hilft es, einfach nur ein offenes Ohr und Zeit zu haben für die Nöte der Menschen.«
Hintergrund Palliativmedizin
Palliativmedizin beschäftigt sich mit der Betreuung und Begleitung von schwer kranken Menschen in der letzten Lebensphase. Der Name leitet sich vom lateinischen pallium (Mantel) ab. Wie ein Mantel sollen Schmerztherapie und psychosoziale Betreuung den Todkranken umhüllen. Die Palliativmedizin bejaht das Leben und sieht das Sterben als einen natürlichen Prozess. Sie lehnt aktive Sterbehilfe in jeder Form ab.
Hinsichtlich der flächendeckenden Versorgung mit Palliativstationen befindet sich Deutschland im Entwicklungsstadium. Nach Berechnungen der »Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e.V.« sollten für eine Million Einwohner 50 Palliativ-Betten zur Verfügung stehen. Tatsächlich sind es aber nur 12. Die Ärztekammern unterstützen den Ausbau der Palliativstationen. Seit 2003 gibt es außerdem für die Palliativmedizin eine eigene Facharztqualifikation, über die im Gertrudis-Hospital Westerholt Dr. Anette Borchert verfügt.

