zurück zur Startseite

Geheilt nach Hause

26.04.2006 - Marien-Hospital Marl

 


Die Koffer sind gepackt, bald geht es zurück nach Angola: Sr. Hedwigis mit ihren beiden Schützlingen Avelina und Lauriana (v.l.).

Lauriana und Avelina kehren nach Angola zurück

»Die beiden sind uns allen hier sehr an Herz gewachsen«, sagt Sr. Hedwigis etwas traurig. Die beiden: Das sind Lauriana und Avelina aus Angola. Die Schützlinge von Sr. Hedwigis haben eine lange Zeit im Marien-Hospital verbracht. Verständlich also, dass bei ihrer Verabschiedung viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein lachendes und ein weinendes Auge hatten. Die nächsten Tage verbringen die Mädchen zunächst im Friedensdorf Oberhausen, bevor es dann Anfang Mai zurück in ihre Heimat geht.

»Wir freuen uns darauf, endlich wieder nach Hause zu kommen«, erzählen Lauriana und Avelina in bestem Deutsch. Und wenn man die beiden aufgeweckten Mädchen erlebt, dann mag man kaum glauben, welche Leidensgeschichten hinter ihnen liegen: Als Lauriana am 12. April 2003 im Marler Krankenhaus aufgenommen wurde, wog sie bei einer Größe von 1,34 Meter gerade mal 22 Kilo. Eine Knocheneiterung im linken Bein war bereits so weit fortgeschritten, dass sie ohne eine rasche Behandlung lebensbedrohlich geworden wäre. Möglicherweise hätte man das Bein auch amputieren müssen. Weil die Ärzte in Angola die Knochenentzündung nicht mehr in den Griff bekamen, wurde Lauriana zur Behandlung nach Deutschland ausgeflogen. Drei Jahre Leben im Krankenhaus und insgesamt 32 Operationen liegen hinter dem Mädchen. Doch jetzt sind die Ärzte zuversichtlich, dass sie die immer wiederkehrenden Entzündungen endgültig in den Griff bekommen haben. "Lauriana wird das Bein zwar nicht zu 100 Prozent belasten können, aber sie wird wieder gesund", ist Priv.-Doz. Dr. Klaus-Peter Riesener, Chefarzt der Chirurgie am Marien-Hospital, sicher. Damit sie möglichst wenig Bewegungseinschränkungen zurückbehält, wird sie allerdings in einem halben Jahr noch einmal in Deutschland operiert. Dann wird man versuchen, das durch die Krankheit verkürzte Bein zu verlängern.

Auch die zehnjährige Avelina litt an einer Knochenentzündung. Bei ihr war nicht nur das linke Bein, sondern auch die Hüfte betroffen. Sie hat zwei Jahre im Marien-Hospital verbracht und musste 13 Operationen über sich ergehen lassen. »Ihre Entzündungen an Hüfte und Bein sind auskuriert. Leider wird Avelinas Knie steif bleiben«, bedauert Riesener.

Dass die beiden Mädchen bei allem Leid ihre Fröhlichkeit nicht verloren haben, liegt nicht zuletzt an der liebevollen Betreuung von Ärzten, Schwestern und Pflegern im Marien-Hospital, die sich auch in ihrer Freizeit häufig um die Kinder gekümmert haben. Regelmäßigen Besuch bekamen die Mädchen außerdem von Claus Droege. Er ist Lehrer an der "Schule für Kranke", die am Prosper-Hospital in Recklinghausen angesiedelt ist. Jeden Tag kam er ins Marler Krankenhaus, um die Mädchen in Rechnen, Sachkunde, Deutsch und Englisch zu unterrichten. Dass der Unterricht erfolgreich war, zeigen allein die guten Deutschkenntnisse von Lauriana und Avelina. »Und gelesen haben sie auch viel. Lauriana hat zum Beispiel Harry Potter auf Deutsch gelesen«, weiß Sr. Hedwigis. Ihr werden die Mädchen am meisten fehlen. Aber wer weiß: Vielleicht bekommt sie demnächst ja.


© 2013  Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH  •  Stand: 14.12.2009 - 14:44