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Bei der überwiegenden Mehrzahl der Nieren- oder Harnleitersteine handelt es sich um sog. typische Wohlstandserkrankungen. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen.



Das Risiko, im Laufe des Lebens eine Steinepisode zu erleiden, liegt bei 5-10 %. Ist jedoch einmal ein Steinleiden aufgetreten, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bei unveränderter Lebensführung eine erneute Steinbildung auftritt.

 

Für die Entstehung von Harnsteinen sind verschiedene Faktoren verantwortlich: Einerseits gibt es eine erbliche Veranlagung, andererseits ist aber eine mangelnde Flüssigkeitsaufnahme ganz entscheidend für die Entstehung von Steinen. Hinzu kommen bestimmte Ernährungsformen (vegetarisch oder vorwiegend milcheiweißbasierend),


Bewegungsarmut, Medikamentenaufnahme und selten Stoffwechselerkrankungen.

 

Die Hauptursache für die Steinbildung in der Niere ist die Überschreitung des Löslichkeitsprodukts und das Ausfallen von steinbildendem Material im Urin. Am besten kann man sich dieses vorstellen, in dem man sich verdeutlicht, dass Zucker in einer Tasse Kaffee ebenfalls nur bis zu einer bestimmten Menge lösungsfähig ist. Die übersättigten Zuckerkristalle verbleiben am Boden der Kaffeetasse. Es gibt verschiedene Steintypen.


Die häufigsten Steintypen


Die häufigsten Steine sind sog. Calcium-Oxalat-Steine. Sie sind kalkdicht, d.h. in der Röntgenaufnahme nachweisbar, und entstehen durch eine Stoffwechselstörung im Bereich des Calciumhaushaltes einer verminderten Trinkmenge oder bei einer seltenen Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus).

 

Ein weiterer häufiger Steintyp sind sog. Harnsäuresteine. Sie entstehen als Abbauprodukt von tierischen Eiweißen und hängen häufig mit Übergewicht oder einer vermehrten Aufnahme von tierischen Eiweißen (Fleisch) zusammen.


Des Weiteren treten Infektsteine im Rahmen von Infektionen der ableitenden Harnwege auf.

 

Selten sind Steine, die im Rahmen von Stoffwechselerkrankungen entstehen, wie z.B. Cystin- oder Xantinsteine.

 

Nierensteine müssen nicht zwangsläufig Beschwerden bereiten, können aber bei Nichtbehandlung und Größenzunahme zu einer Schädigung der Niere mit Einschränkung der Funktion führen.


Beschwerden und Behandlung


Falls ein Stein sich aus dem Nierenbecken in den Harnleiter bewegt, kommt es in aller Regel zu kolikartigen Schmerzen, die von einer Harnstauung begleitet sind. Diese kolikartigen Schmerzen können mit Blut im Urin respektive Blähungen vergesellschaftet sein.

 

Der Nachweis von Steinen in der Niere und im Harnleiter basiert auf eine Ultraschalluntersuchung bzw. auf Röntgenuntersuchungen, evtl. mit Kontrastmittelgabe. 


Weitere Möglichkeiten der unterstützenden Untersuchung sind die Blut- und Urinkontrolle. Bei Steinkoliken handelt es sich um massive, teils unerträgliche Schmerzen.

 

Vordringlich in der Behandlung der Patienten mit einem Steinleiden ist die Befreiung von diesen Schmerzen. Des Weiteren sollten sich Blutkontrollen und Ultraschallkontrollen anschließen, um eine Harnstauungsniere oder eine infizierte Harnstauungsniere auszuschließen. Eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion sollte ebenfalls ausgeschlossen werden.


Zur Steinbehandlung stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung


1. Abwarten des spontanen Steinabgangs.


Ungefähr 80 % der Harnleitersteine gehen ohne weitere Maßnahmen ab. Dieses abwartende Verhalten ist insbesondere dann zu vertreten, wenn die Steingröße nicht mehr als 5 mm beträgt und


keine gravierende Schmerzsymptomatik vorliegt, der Urin ungehindert abfließen kann und keine Zeichen einer Infektion vorliegen. Regelmäßige Nachkontrollen bis zum Steinabgang sollten sich jedoch anschließen.


2. Medikamentöse Steinauflösung.


Die medikamentöse Steinauflösung durch Basismachen des Urins ist bei Harnsäuresteinen zu vertreten und in über 70 % der Fälle erfolgreich.


Diese Art der Behandlung ist jedoch nur dann von Erfolg gekrönt, wenn gleichzeitig eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr vorliegt.


3. Extrakorporale Stoßwellenbehandlung (ESWL)


Die ESWL hat die offene Steinchirurgie weitestgehend ersetzt. Etwa 90 % aller Patienten mit Harnsteinen werden früher oder später dieser Behandlung zugeführt. Dank der Stoßwellen, die berührungsfrei, den Stein zertrümmernd in den Körper eingeleitet werden, werden die Steine in kleine sandartige Bestandteile zerkleinert.


Dieser Steinsand geht in der Regel bei 80 % der Patienten innerhalb von 3 Monaten ohne weitere Beschwerden ab. Selten ist es notwendig, bei der Behandlung von Nierensteinen zusätzlich eine Harnleiterschiene einzulegen. Die Harnleiterschiene ist ein feiner Kunststoffschlauch, der gewährleistet, dass die Steintrümmer ohne Koliken den Harnleiter passieren.


4. Steinentfernung durch Harnleiterspiegelung oder Punktion der Niere


Neue Verfahren erlauben die Spiegelung des Harnleiters. Mit Fasszangen werden Steine gegriffen, größere Steine elektrohydraulisch oder durch eine Art Presslufthammer aufgearbeitet und die Fragmente entfernt. Dies ist insbesondere dann möglich, wenn sich die Harnleitersteine im unteren und mittleren Drittel des Harnleiters befinden. Eine weitere Möglichkeit bei sehr großen Steinen, die nahezu das komplette Nierenbeckenkelchsystem ausfüllen, ist die perkutane Nephrolitholapaxie.


Bei diesem Verfahren wird die Niere über einen seitlichen Zugang anpunktiert, der Zugang erweitert, so dass eine Ausspiegelung des Nierenbeckens möglich ist und der Stein nachfolgend aufgearbeitet, die Trümmer entfernt. Im Anschluss an diesen operativen Eingriff wird ein kleiner Schlauch in die Niere eingelegt, der für ca. 5-10 Tage belassen wird. Reststeine, die nach dem Verfahren sich noch in der Niere befinden, werden durch die Stoßwellenbehandlung zertrümmert.


5. Schnittoperationen


Diese zählen in der Zwischenzeit zu der großen Ausnahme in der Steinbehandlung urologischer Patienten. Lediglich 1 % aller Patienten müssen offen operativ behandelt werden.



Vorbeugende Maßnahmen (Metaphylaxe)


Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die ausreichende Trinkmenge. So sollten Patienten, die zur Steinbildung neigen, mindestens 2 ½-3 l Flüssigkeit zu sich nehmen, so dass die Urinproduktion um ca. 2 l liegt. Vereinfacht gesagt sollte die Urinfarbe klar sein. 


Es bestehen spezielle Sprechstunden, in welchen aufgrund von Stein- und Urinanalysen ätische und medikamentöse Empfehlungen gemacht werden können. Diese Ernährungsbehandlung finden Sie auch in unserem Haus.


© 2013  Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH  •  Stand: 14.12.2009 - 14:45